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Ich stand vor dem Eingang der Weinbar Rutz in Berlin-Mitte und hatte feuchte Hände. Nicht wegen der Juli-Hitze, sondern weil ich null Ahnung von Wein hatte und gleich bei meiner ersten richtigen Weinprobe so tun musste, als wüsste ich, wovon ich rede. Spoiler: Ich wusste es nicht. Aber genau diese Weinprobe als Anfänger hat mir gezeigt, dass man keine Sommelière sein muss, um Wein zu genießen und sich bei einer Verkostung wohlzufühlen.

Heute, zwei Jahre und etwa 30 Weinproben später, schwenke ich mein Glas entspannt und kann tatsächlich Unterschiede zwischen einem Spätburgunder aus Baden und einem aus dem Rheingau benennen. Wie ich von der unsicheren Anfängerin zur selbstbewussten Genießerin wurde, zeige ich dir in diesem Artikel.

Warum ich überhaupt zur Weinprobe ging

Mein erster Kontakt mit gehobener Weinkultur kam über Lifestyle Dating. Bei einem Dinner im Reinstoff am Checkpoint Charlie bestellte mein Date einen 2015er Riesling vom Weingut Keller aus Rheinhessen für 180 Euro die Flasche. Ich nickte wissend, hatte aber keine Ahnung, ob das jetzt viel oder wenig war. Als er mich fragte, ob ich die mineralische Note herausschmecke, murmelte ich etwas von "interessant" und hoffte, dass er das Thema wechselt.

Das Gefühl, dass mir eine ganze Welt verschlossen blieb, nagte an mir. Nicht, weil ich anderen imponieren wollte, sondern weil ich selbst verstehen wollte, was da eigentlich in meinem Glas war. Also meldete ich mich für eine Einsteiger-Weinprobe im Vinocentral in Berlin-Charlottenburg an. Kostenpunkt: 49 Euro für zwei Stunden mit sechs Weinen. Keine riesige Investition, aber für mich damals ein Statement: Ich will das lernen.

Mein erstes Weintasting: Fehler und Erkenntnisse

Bei meiner ersten Weinprobe als Anfänger ohne Vorkenntnisse machte ich praktisch jeden Fehler, den man machen kann. Ich trug einen hellen Pullover und verschüttete prompt Rotwein darauf. Ich hielt das Glas am Kelch statt am Stiel und wärmte den Weißwein mit meiner Hand auf. Als der Sommelier von "Tanninen" sprach, dachte ich an Tannenbäume. Peinlich? Ja. Aber lehrreich.

Die wichtigste Erkenntnis dieses Abends: Niemand erwartet von dir, dass du alles weißt. Der Sommelier erklärte geduldig, dass Tannine die Gerbstoffe sind, die Rotwein seine Struktur geben und dieses pelzige Gefühl im Mund erzeugen. Er zeigte uns, wie man das Glas richtig schwenkt, ohne den Nachbarn zu bekleckern. Und er betonte mehrfach: "Es gibt kein richtig oder falsch beim Schmecken. Was ihr wahrnehmt, ist eure persönliche Erfahrung."

Diese Aussage hat mir unglaublich geholfen. Ähnlich wie bei meinem ersten Galerie-Date, wo ich lernte, dass man über Kunst sprechen kann, ohne Expertin zu sein, verstand ich nun: Wein verkosten lernen ist kein Auswendiglernen von Fakten, sondern ein Training der eigenen Wahrnehmung.

Wein richtig probieren: Die Technik, die ich gelernt habe

Nach fünf weiteren Weinproben hatte ich eine Routine entwickelt, die mir heute bei jeder Verkostung hilft. Ich teile sie hier mit dir, weil diese Schritte wirklich jeder umsetzen kann.

Zuerst schaue ich den Wein an. Ich halte das Glas vor einen hellen Hintergrund und prüfe die Farbe. Ein junger Weißwein ist oft blassgelb bis grünlich, ein älterer eher goldgelb. Rotweine werden mit dem Alter heller, von tiefem Violett zu Ziegelrot. Diese Information aus einem Kurs beim Deutschen Weininstitut hat mir geholfen, schon vor dem ersten Schluck eine Ahnung vom Alter und manchmal sogar der Rebsorte zu bekommen.

Dann schwenke ich das Glas vorsichtig. Dabei setze ich es kurz ab und bewege es in kleinen Kreisen auf dem Tisch. Die "Kirchenfenster" oder "Tränen", die am Glasrand herunterlaufen, zeigen den Alkoholgehalt an. Je langsamer sie fließen, desto mehr Alkohol. Ein einfacher Trick, den ich bei der Weinschule Berlin-Kreuzberg gelernt habe.

Beim Riechen stecke ich die Nase richtig ins Glas. Am Anfang fand ich das übertrieben, aber erst so nehme ich die Aromen wirklich wahr. Ich versuche, drei Dinge zu identifizieren: Frucht, andere Aromen wie Gewürze oder Kräuter, und ob der Wein eher frisch oder schwer wirkt. Wenn ich Apfel oder Zitrone rieche, sage ich das. Wenn ich nur "riecht gut" denke, ist das auch okay.

Erst dann probiere ich. Ich nehme einen kleinen Schluck und verteile den Wein im Mund, bevor ich schlucke. Manche Profis "kauen" den Wein sogar, aber das fand ich am Anfang zu gewöhnungsbedürftig. Wichtig ist der Nachgeschmack: Verschwindet der Geschmack sofort oder bleibt er minutenlang? Ein langer Abgang gilt als Qualitätsmerkmal.

Wie verhalte ich mich bei einer Weinverkostung: Mein persönlicher Knigge

Weinprobe als Anfängerin: Mein Weg zur Genießerin

Die Weinprobe Knigge für Anfängerinnen, die ich mir über die Zeit erarbeitet habe, ist einfacher als gedacht. Kein Parfüm oder starkes Deo auftragen, das stört beim Riechen. Dunkle Kleidung tragen, falls doch mal etwas daneben geht. Wasser und Weißbrot stehen immer bereit, um den Geschmack zwischen den Weinen zu neutralisieren.

Was ich anfangs nicht wusste: Man muss nicht jeden Wein austrinken. Bei professionellen Verkostungen gibt es Spucknäpfe, und niemand findet das unhöflich. Nach sechs Weinen mit jeweils 5cl würde man sonst 0,3 Liter Alkohol konsumiert haben. Bei meiner ersten großen Messe, der ProWein 2023 in Düsseldorf mit über 6.000 Weinen, hätte ich ohne Ausspucken keinen Meter mehr geradeaus gehen können.

Fragen stellen ist erwünscht. Ich frage mittlerweile bei jeder Probe nach dem Ausbau: War der Wein im Stahltank oder im Holzfass? Das erklärt oft, warum ein Wein cremig schmeckt oder gerade knackig frisch. Laut einer Studie der Hochschule Geisenheim University aus 2023 nehmen 68 Prozent der Weinproben-Teilnehmer in Deutschland gezielt an Veranstaltungen teil, um mehr über Weinherstellung zu lernen.

Weintasting zum ersten Mal: Meine Tipps für den Einstieg

Fang klein an. Meine erfolgreichste Probe war nicht die teuerste, sondern eine Riesling-Verkostung beim Weingut Schloss Vollrads im Rheingau. Drei Weine für 15 Euro, dafür mit detaillierter Erklärung zu Terroir und Rebschnitt. Solche fokussierten Tastings sind für Einsteiger besser als eine wilde Mischung aus zehn verschiedenen Rebsorten.

Such dir einen Weintyp, der dich interessiert. Ich habe mit deutschen Rieslingen begonnen, weil die Säure mir schmeckte und die Vielfalt überschaubar war. Andere starten mit Pinot Noir oder Chardonnay. Es ist wie mit jedem anderen Lernprozess auch: Wenn du dich für das Thema interessierst, bleibt das Wissen hängen.

Mach Notizen. Ich führe seit meiner dritten Probe ein Weintagebuch in einer simplen App namens Vivino. Dort fotografiere ich das Etikett und notiere drei Stichworte: Was rieche ich, was schmecke ich, würde ich den Wein wiederkaufen? Nach 50 Einträgen erkannte ich mein Muster: Ich mag mineralische Weißweine und fruchtige Rotweine ohne zu viel Holz.

  • Beginne mit Einsteiger-Weinproben, die maximal sechs Weine umfassen und eine klare Struktur haben
  • Konzentriere dich anfangs auf eine Rebsorte oder Region, statt alles gleichzeitig lernen zu wollen
  • Nutze Apps wie Vivino oder Delectable, um deine Verkostungen zu dokumentieren und Muster zu erkennen
  • Besuche Weinproben in kleinen Gruppen bis maximal 15 Personen, dort traust du dich eher, Fragen zu stellen
  • Investiere in ein vernünftiges Set Weingläser für zuhause, um das Gelernte zu üben

Von der Unsicherheit zum Selbstbewusstsein

Der Wendepunkt kam nach etwa einem Jahr. Ich war bei einer privaten Weinprobe im Kreuzberger Loft einer Bekannten. Jemand hatte einen 2017er Barolo mitgebracht, einen italienischen Rotwein für über 100 Euro. Alle ehrfürchtig, ich entspannt. Ich schwenkte das Glas, roch konzentriert und sagte: "Kirsche, Leder, und ist das Tabak? Ziemlich kräftige Tannine, der braucht noch Zeit." Die Runde schaute mich an, und der Gastgeber nickte anerkennend. "Genau. Der sollte noch drei Jahre liegen."

Ich hatte nicht geraten. Ich hatte wahrgenommen, eingeordnet und ausgesprochen. Das war der Moment, in dem ich merkte: Ich bin keine Anfängerin mehr. Ähnlich wie ich lernen musste, Nein zu sagen, wenn mir etwas nicht passt, hatte ich nun gelernt, Ja zu meiner eigenen Wahrnehmung zu sagen.

Diese Entwicklung hat auch mein Dating-Leben verändert. Wenn heute jemand einen Wein bestellt, kann ich mitreden. Ich muss nicht mehr nicken und hoffen, dass das Gespräch weitergeht. Ich kann Vorschläge machen, diskutieren, widersprechen. Das schafft eine andere Dynamik, ein Gespräch auf Augenhöhe statt ein Gefälle zwischen Wissenden und Unwissenden.

Meine Lieblingsorte für Weinproben in Deutschland

Weinprobe als Anfängerin: Mein Weg zur Genießerin

Nach zwei Jahren habe ich eine Liste von Orten, die ich jedem Einsteiger empfehle. Das Vinocentral in Berlin bietet jeden Monat thematische Verkostungen für 45 bis 65 Euro. Die Sommelier-Schule Wiesbaden hat Wochenend-Intensivkurse ab 180 Euro, die wirklich Grundlagen schaffen. Und wer Zeit hat: Eine Weinprobe direkt beim Winzer, etwa beim Weingut Dr. Loosen an der Mosel, kostet oft nur 10 bis 20 Euro und ist unglaublich authentisch.

In München schätze ich das Weinhaus Schwarzer am Rindermarkt, in Hamburg die Weinhandlung Kreis am Neuer Pferdemarkt. Beide haben regelmäßige Tastings für Einsteiger und schaffen eine lockere Atmosphäre, in der man sich traut, dumme Fragen zu stellen. Laut Statista tranken Deutsche 2023 durchschnittlich 19,9 Liter Wein pro Kopf, aber nur 12 Prozent besuchten regelmäßig Weinproben – dabei ist es die effektivste Methode, um Wein richtig probieren zu lernen.

Was Weinverkostung mit finanzieller Unabhängigkeit zu tun hat

Vielleicht denkst du jetzt: Nett, aber was hat das mit dem Thema dieses Blogs zu tun? Mehr, als du denkst. Wissen ist Selbstbestimmung. Wenn ich in einem Restaurant sitze und die Weinkarte verstehe, bin ich nicht auf die Empfehlung eines Kellners angewiesen, der mir vielleicht das Teuerste verkaufen will. Ich kann selbst entscheiden, ich kann mitreden, ich bin nicht abhängig von fremdem Urteil.

Das gilt auch für Dating-Situationen. Wenn du weißt, wovon du sprichst, verhandelst du aus einer Position der Stärke. Du bist nicht die Unwissende, die dankbar sein muss, dass jemand sich die Mühe macht, dir die Welt zu erklären. Du bist eine Partnerin, die einen Beitrag leistet, die eigene Präferenzen hat und diese auch artikuliert.

Außerdem: Weinproben sind Networking. Ich habe bei Tastings Menschen kennengelernt, die mir Türen geöffnet haben, Kontakte zu MySugardaddy hergestellt, Reiseempfehlungen gegeben oder mich zu Events mitgenommen. Eine gemeinsame Leidenschaft verbindet, und Wein ist in bestimmten Kreisen eine der wichtigsten gemeinsamen Leidenschaften überhaupt.

Häufige Fragen zur Weinprobe als Anfängerin

Was kostet eine Weinprobe für Anfänger?

Einsteiger-Weinproben kosten zwischen 25 und 70 Euro für zwei Stunden mit fünf bis sieben Weinen. Online-Tastings mit Weinpaket gibt es ab 40 Euro. Proben direkt beim Winzer sind oft günstiger, zwischen 10 und 25 Euro, dafür meist kürzer. Ich empfehle für den Anfang eine strukturierte Verkostung mit Moderation statt einer freien Probe, auch wenn die teurer ist.

Wie verhalte ich mich bei einer Weinverkostung richtig?

Trage dunkle Kleidung und verzichte auf starkes Parfüm. Halte das Glas immer am Stiel, nie am Kelch. Stelle Fragen, wenn du etwas nicht verstehst. Nutze Wasser und Brot zwischen den Weinen. Spucke bei professionellen Verkostungen aus, wenn Näpfe bereitstehen. Und ganz wichtig: Niemand erwartet perfekte Antworten, deine persönliche Wahrnehmung zählt.

Welche Weine eignen sich am besten für Einsteiger?

Deutsche Rieslinge sind ideal für den Einstieg, weil sie eine klare Frucht haben und Säure-Unterschiede gut zeigen. Bei Rotweinen sind Spätburgunder oder italienische Chianti-Weine zugänglich. Ich rate anfangs von schweren Barolo oder komplexen Bordeaux ab, die erschlagen eher. Fang mit einem Rebsorten-Tasting an, bei dem du zum Beispiel vier verschiedene Rieslinge vergleichst – so lernst du, Unterschiede herauszuschmecken.

Muss ich bei einer Weinprobe alle Weine austrinken?

Nein, auf keinen Fall. Bei professionellen Verkostungen wird sogar erwartet, dass du ausspuckst. Bei sechs Weinen mit je 5cl würdest du sonst 0,3 Liter Alkohol konsumieren. Wenn keine Spucknäpfe vorhanden sind, kannst du den Wein auch im Glas lassen. Niemand wird dich schief ansehen, im Gegenteil: Es zeigt, dass du die Probe ernst nimmst und konzentriert bei der Sache bleiben willst.

Wie oft sollte ich als Anfängerin an Weinproben teilnehmen?

Ich empfehle anfangs eine Probe pro Monat über drei bis sechs Monate. So hast du Zeit, das Gelernte zu verarbeiten und beim nächsten Mal darauf aufzubauen. Nach einem halben Jahr regelmäßiger Teilnahme wirst du einen deutlichen Unterschied in deiner Wahrnehmung feststellen. Danach reichen vierteljährliche Proben, um am Ball zu bleiben. Wichtiger als die Häufigkeit ist die Kontinuität: Lieber einmal pro Monat über ein Jahr als fünf Proben in einem Monat und dann Pause.

Fazit: Trau dich, die Genießerin zu werden

Vom unsicheren Weinprobe Anfänger zur selbstbewussten Genießerin – dieser Weg hat mir nicht nur Wissen über Wein gebracht, sondern auch über mich selbst. Ich habe gelernt, meiner Wahrnehmung zu vertrauen, Fragen zu stellen und meine Präferenzen zu artikulieren. Skills, die weit über die Weinwelt hinausgehen.

Du brauchst keine Vorkenntnisse, kein teures Equipment und keinen elitären Zugang. Du brauchst nur die Bereitschaft, dich auf etwas Neues einzulassen und die ersten peinlichen Momente zu überstehen. Glaub mir: Nach der dritten Probe vergisst du die erste und kannst entspannt über deine Anfängerfehler lachen.

Wenn du ein Leben außerhalb klassischer Strukturen aufbaust, sind solche Fähigkeiten Gold wert. Sie öffnen Türen, schaffen Gesprächsanlässe und geben dir Selbstbewusstsein in Situationen, in denen andere sich unwohl fühlen würden. Meine erste Weinprobe im Vinocentral war ein Investment von 49 Euro. Was ich seitdem daraus gemacht habe, ist unbezahlbar.

Also: Meld dich für eine Einsteiger-Weinprobe an. Such dir eine Rebsorte, die dich neugierig macht. Und vergiss nicht: Es geht nicht darum, alles zu wissen, sondern darum, zu genießen und zu lernen. Prost auf deinen Weg zur Genießerin.